Uschi Brüning liest und singt 29|02|2020

Uschi Brüning

„So wie ich“ musikalische Lesung

Der Jazz, so schreibt Uschi Brüning, sei ihr wesensverwandt.

Im Jazz kann sie frei sein. Eindrucksvoll schildert sie, wie existentiell das Singen in jeder Phase ihres Lebens war. Ihr breites Repertoire reicht von Schlager, Soul, Blues bis zur freien Jazzimprovisation. Eine Künstlerin, die sich in keine Schablone pressen lässt. Ihre Autobiographie gibt zugleich Einblick in die wechselhafte Geschichte des Jazz in der DDR und die Arbeitsbedingungen für Künstler und Künstlerinnen.

Schon von klein auf singt sie mit Begeisterung – zu Hause, auf der Straße, im Kinderheim, in der Schule. Mit dreizehn beschließt sie, als Sängerin berühmt zu werden. Ihre großen Vorbilder sind Caterina Valente und Ella Fitzgerald. An der Seite von Manfred Krug feiert die junge Uschi Brüning ihre ersten Bühnenerfolge. Sie gründet eine eigene Band, will sich als Frau in der Männerwelt des Jazz behaupten. Bald lernt sie den Saxophonisten Ernst-Ludwig Petrowsky kennen. Die beiden werden ein Paar und musikalische Partner, genießen als erfolgreiche Künstler manche Freiheiten: Jazz ist die geduldete Nische, in der sich auch Unangepasste und Regimekritiker relativ zwanglos zusammenfinden können. »So wie ich« ist eine außergewöhnliche Reise in die ehemalige DDR und ihre Musikszene -und eine Liebeserklärung Uschi Brünings an den Mann ihres Lebens.

Ehrliche Rückschau

Uschi Brüning schreibt mit leichter Feder und spickt ihre Darstellung mit etlichen Anekdoten. So erfährt man einiges über ihre Erlebnisse auf Tourneen. Im Westen fühlt sie sich oft als „Mensch zweiter Klasse“, weil sie weder Westgeld zum Essen gehen hat, noch die Zeit für eine Stadtbesichtigung oder Kontakte mit Kollegen reicht. Auch im Osten gehört Kohldampf zum Tour-Alltag. Nach den Auftritten sind in der Regel sämtliche Restaurants geschlossen, und niemand hat an die hungrigen Künstler gedacht. Als Luten sich darüber einmal von der Bühne herab beschwert, wird das als staatsfeindliche Äußerung vermerkt. Mit drastischen Folgen: Die Tour wird wenig später abgebrochen.

Die Stasi-Akten dienen Brüning dabei manches Mal als Gedächtnisstütze, als „Fundgrube für Erinnerungen aller Art“. Was dort über sie notiert wurde, ist erschütternd und zugleich unfreiwillig komisch. Etwa wenn dort zu lesen ist, dass sie auf die Nachbarn dank „Anwendung verschiedener Kosmetikartikel“ stets gepflegt wirkt, viel Post, aber nie Herrenbesuch bekommt – obwohl Luten bei ihr täglich ein und aus geht. Sogar einen verlorenen Liebesbrief findet sie als Abschrift in den Akten.

Selbstkritisch fragt Uschi Brüning heute, ob sie sich nicht allzu sehr in diesem Land DDR eingerichtet, in ihrem Elfenbeinturm der Musik zu weit von der sie umgebenden Wirklichkeit entfernt habe. Das Fazit nach der Lektüre ihrer Biografie ist vor allem, dass da jemand radikal ehrlich mit sich selbst ist.

Eine Künstlerin, die eindrucksvoll mit Worten belegt hat, wie existentiell der Gesang und der Jazz für ihr Leben sind.

„So wie ich“ ist eine Liebeserklärung an den Jazz, an den Mann ihres Lebens und nicht zuletzt eine Hommage an ihr einstiges Idol, den 2016 verstorbenen Manfred Krug.

 Volkshaus
Einlass 19.00 Uhr; Beginn 20.00 Uhr
VK 17 €, AK 22 €

Online Tickets

Auswahl Preis Anzahl Bestellen
Sa 29.02.20 Uschi Brüning liest und singt 20.00 Uhr 17€
In den Warenkorb